Mietermagazin WohnGut

Im Mai beginnt Sanierung der Großen Scharrnstraße

06.02.2018

Die Große Scharrnstraße kann - auf Grund ihrer wechselvollen Entwicklung - sicher als spannendster Innenstadtbereich Frankfurts bezeichnet werden. Der eine Fußgängerzone bildende Gebäudekomplex ist einer von sehr wenigen Zeitzeugen der Spätmoderne der DDR, der noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist und damit eine besondere städtebauliche und kulturgeschichtliche Bedeutung hat. Im Mai startet die WohnBau Frankfurt mit seiner Sanierung.

Bis zur vollständigen Zerstörung ihrer seit dem Mittelalter gewachsenen Bebauung im Jahr 1945 war die Straße - mit ihren Scharren (Verkaufsstände) und ihrer Kleinteiligkeit - eine wichtige Handelsstraße unserer Stadt. Mehr als 180 Läden, 7 Gaststätten sowie 19 Schneidermeister und Schneidereien sollen hier ansässig gewesen sein.

Bis in die 1960er Jahre konzentrierte man sich im Rahmen des Wiederaufbaus Frankfurts auf die Errichtung sehr weitläufiger Wohngebiete ohne Gewerbeunterlagerungen. 25 Jahre später besann man sich darauf, die Innenstadt in ihrer Funktion als Versorgungs- und Kommunikationsmittelpunkt zu stärken und den vorhandenen Wohnungsbau zu verdichten. In den Jahren 1987/1988 wurde die Große Scharrnstraße in ihrer heutigen Form errichtet. Sie bildete damit den Abschluss des ca. 1.000 Wohnungen umfassenden Bauprogramms für die Frankfurter Innenstadt.

Die Planer verfolgten unter anderem das Ziel, die Bereiche der ehemaligen Altstadt miteinander zu verknüpfen und die Magistrale auf diese Weise in ihrer Funktion als Einkaufsstraße zu stärken. Es sollte ein abwechslungsreicher Boulevard mit frei zugänglichen Kunstobjekten, zahlreichen Geschäften und gastronomischen Einrichtungen entstehen, der zum Bummeln und Verweilen einlädt – anknüpfend an die Geschichte und frühere Bedeutung der Großen Scharrnstraße.

Nach Bauabschluss sorgte das Frankfurter Pilotprojekt für großes Interesse bei den Stadtplanern der DDR und war für einige Zeit tatsächlich ein attraktiver Magnet für alle Frankfurter und Gäste der Stadt. Doch mit der politischen Wende und dem Bau von großen, dezentral angesiedelten Handelszentren in den Stadtteilen und „auf der grünen Wiese" verlor sie sehr schnell ihre gerade erst wieder erlangte Bedeutung.

Vorstand der WohnBau Frankfurt in der Großen Scharrnstraße, Foto: Henry-Martin Klemt
Vorstand der WohnBau Frankfurt in der Großen Scharrnstraße, Foto: Henry-Martin Klemt

Mit der Ansiedlung der Studierendenmeile, der Unterstützung von Festivals, Kunstausstellungen und Events sowie eigenen Projekten, wie zum Beispiel der WohnBau Frankfurt Galerie und der jährlichen Schmück-Aktion „Tannenbaum sucht Patenschaft", verfolgt unsere Genossenschaft bereits seit einigen Jahren eine Neuausrichtung der Fußgängerzone. Bis 2021 soll sie nun umfassend, aber dennoch behutsam saniert werden. Olaf Runge, Vorstand der WohnBau Frankfurt: „Die Große Scharrnstraße ist ein wichtiger Bestandteil der (Bau-)Geschichte der Stadt Frankfurt (Oder) und ein nicht weg zu denkender Identifikationspunkt für die Bürger. Indem wir so agieren, als stünde der Straßenzug unter Denkmalschutz, tragen wir dem Rechnung. Wir werden ihn in seiner ursprünglichen Form, mit allen vorhandenen Kunstwerken erhalten und nur wenige erforderliche Anpassungen vornehmen."

Beginnend mit der Großen Scharrnstraße 14 a erfolgt bis zum Jahr 2021 die Instandsetzung der sieben Wohngebäude in der Großen Scharrnstraße sowie in der Schmalzgasse (Große Scharrnstraße 26 a). Durch Grundrissanpassungen entstehen aus dem überwiegenden Teil der jetzt vorhandenen 1-Raum-Wohnungen marktgerechte Wohnungen in unterschiedlichen Größen. Diese erhalten eine zeitgemäße Ausstattung und werden über einen Balkon bzw. eine Dachterrasse verfügen. Der Zugang zu den Wohnungen wird künftig auch direkt über die Große Scharrnstraße möglich sein. Dies ist ein wichtiger Ansatz für die Belebung der Fußgängerzone. Durch den Einbau von Aufzügen wird eine barrierearme Erschließung möglich.

Um den unterschiedlichsten Wünschen potentieller Gewerbemieter Rechnung tragen zu können, erfolgt eine flexible Grundrissgestaltung in den Erdgeschossen. Dies ermöglicht das Zusammenlegen und Separieren von Flächen. Das überarbeitete Beleuchtungskonzept der Kolonnaden wird das Sicherheitsgefühl für Anwohner und Passanten sowie die Verweilqualität der Fußgängerzone erhöhen.
Die mehrere Jahre umfassende Baumaßnahme wird also das Gebäudeensemble in seiner ursprünglichen Form bewahren und gleichzeitig ein Wohnen zu bezahlbaren Mieten in einem modernen Umfeld möglich machen.

Gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) GmbH soll nach Fertigstellung auch die Herrichtung des Wohnumfeldes in Angriff genommen werden. Hinsichtlich der Gehwegbereiche der Großen Scharrnstraße wird die WohnBau Frankfurt das Gespräch mit der Eigentümerin, der Stadt Frankfurt (Oder), suchen.